Kategorie: Umwelt, Energie & Klimaschutz

Kostengünstige Modernisierung der Verteilnetze für Solarstrom machbar

Eine neue Studie zeigt, dass der Ausbau des Stromnetzes für einen starken Solarstromzubau wesentlich einfacher und kostengünstiger gestaltet werden kann, als angenommen wird. Damit entfällt ein Argument, das oft gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien angeführt wird.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Vierteljahrs wird die Solarförderung zum 1. April von der Bundesregierung gekürzt, dieses Mal um 20 bis 30 Prozent. Als Grund dafür wird unter anderem angegeben, dass durch die starke Nachfrage in den letzten Jahren das Stromnetz überlastet ist und nicht so schnell ausgebaut werden kann.

Modernisierung der Verteilnetze für dezentral erzeugten Solarstrom 

Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Ecofys zeigt nun, dass dieses Argument nicht stichhaltig ist. Unter dem Titel "Abschätzung der Kosten für die Integration großer Mengen an Photovoltaik in die Niederspannungsnetze und die Bewertung von Optimierungspotenzialen" stellen die Wissenschaftler dar, dass Solarstrom überwiegend dezentral und verbrauchernah erzeugt wird, vor allem auf Dächern von Wohngebäuden oder kleineren Gewerbebetrieben. Als Folge davon werden 80 Prozent der Stromproduktion in das Niederspannungsnetz, welches zu den Verteilnetzen gehört, auf Gemeindeebene eingespeist. Insgesamt umfasst das Niederspannungsnetz in Deutschland aktuell eine Länge von 1,1 Millionen Kilometern.

Nach den Berechnungen von Ecofys könnten die Niederspannungsnetze bis zum Jahr 2020 so ausgebaut werden, dass sie zusätzlich 55 Gigawatt an Solarstromleistung aufnehmen könnten. Rechnet man die Kapazitäten der Mittel- und Hochspannungsnetze dazu, wäre eine Integration von 70 Gigawatt Solarstrom möglich, was zehn bis zwölf Prozent des deutschen Stromverbrauchs ausmachen dürfte.

Kosten für Ausbau der Netze überschaubar

Um dies zu realisieren, müssten die Niederspannungsnetze mit einem Gesamtaufwand von 1,1 Milliarden Euro ausgebaut werden – dies sind zehn Prozent des finanziellen Aufwands, der ohnehin für die routinemäßig anfallenden Erneuerungskosten für das Verteilnetz erforderlich ist. Für einen Durchschnittshaushalt würde das zu Mehrkosten von elf Cent monatlich führen.

Umweltauswirkung gering

Der große Vorteil dabei ist, dass die Ausbauarbeiten überschaubar wären und Akzeptanzprobleme von Seiten der Bevölkerung kaum zu erwarten sind. Vor allem müssten dabei neue Erdkabel verlegt werden, wobei die bereits vorhandenen Trassen unter den Bürgersteigen genutzt werden können. Außerdem müssten regelbare Ortsnetztransformatoren aufgestellt werden, die flexibel auf Angebot und Nachfrage von Strom reagieren können.

Moderne Wechselrichter reduzieren Netzausbau

Ein erster Schritt in diese Richtung wurde damit gemacht, dass seit Jahresbeginn blindleistungsfähige Wechselrichter für fast jede neue Photovoltaikanlage zwingend vorgeschrieben sind, mit denen unerwünschte Spannungsanstiege und -einbrüche im Netz ausgeglichen werden können. Mithilfe derartiger Anlagen kann nach den Ergebnissen der Studie der durch Photovoltaik bedingte Netzausbau im Niederspannungsnetz um 60 Prozent reduziert werden.

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