Kategorie: Umwelt, Energie & Klimaschutz

Energiewende von unten: Berliner wollen ihr Stromnetz kaufen

Die Genossenschaft in Gründung BürgerEnergie Berlin (BEB) will dafür sorgen, dass das Berliner Stromnetz in Bürgerhand übergeht. Deshalb bewirbt sich die BEB um die Konzession, mit der das Land Berlin festlegt, wer das Stromnetz betreiben und besitzen darf.

Die BEB, die sich Ende 2011 gründete, ist nach eigenen Angaben ein freier, parteiübergreifender Zusammenschluss von Bürgern, die sich für eine zukunftsfähige, nachhaltige und demokratische Energiepolitik in Berlin engagieren. "Wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es echte Bürgerbeteiligung", meint Luise Neumann-Cosel, Vorstand der BEB. Durch den Kauf des Stromnetzes will die BEB erreichen, dass die Berliner Bürger über die zukünftige Energieversorgung mitentscheiden können. Denn, um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu gewährleisten, müssen die Stromnetze entsprechend ausgebaut werden. Deshalb will die Genossenschaft sicherstellen, dass die Gewinne, die durch das Stromnetz erzielt werden, tatsächlich der Energiewende zugutekommen.

Mehr als 1 Mio. Euro für den Stromnetzkauf gesammelt

Für den Kauf sammelt die Genossenschaft auf einem Treuhandkonto Geld ein. Die Mindesteinlage beträgt 500 Euro. Jedes Genossenschaftsmitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe seines eingebrachten Kapitals. Mehr als eine Million Euro konnten für den Kauf des Stromnetzes bereits eingesammelt werden, so BEB.

Fehlende Angaben zum Netzzustand und Kaufwert

Wieviel das Netz kosten würde, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Der endgültige Kaufpreis wird zwischen dem alten Netzinhaber Vattenfall und dem Käufer ausgehandelt. Als Grundlage für solche Verhandlungen dienen Fachgutachten, die Vorstellungen über den Preis liegen meist weit auseinander. So auch in diesem Fall: ein Kurzgutachten im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft veranschlagt für den Wert des Netzes rund 400 Millionen Euro. Vattenfall spricht von einem Wert des Netzes in der Höhe von drei Milliarden Euro. BEB bemängelt, dass keine detaillierten Informationen über den Zustand des Netzes vorliegen und Vattenfall relevante Daten nicht veröffentlicht.

Die BEB strebt einen größtmöglichen Einfluss auf das Stromnetz an, und will daher so viele Anteile am Stromnetz erwerben wie möglich. "Im Optimalfall gehört das Stromnetz von Berlin ab 2015 zu 100 Prozent den Bürgerinnen und Bürgern", schreibt die Genossenschaft auf ihrer Webseite.

BEB mit prominenter Unterstützung

Prominente Unterstützer hat das Vorhaben in jedem Falle: Im Aufsichtsrat der BEB findet sich unter anderem einer der "Schönauer Stromrebellen": Dr. Michael Sladek. Er und seine Frau Ursula waren 1997 die treibenden Kräfte, als die Bürger der kleinen Stadt Schönau im Schwarzwald ihr Stromnetz übernahmen und seither als Elektrizitätswerke Schönau selber betreiben.

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